Schädlingsbekämpfung I: Laden Sie Ihre Nacktschnecken auf einen Kaffee ein!

Schädlingsbekämpfung I: Laden Sie Ihre Nacktschnecken auf einen Kaffee ein!

Die Blumen blühen üppig, der grüne Rasen präsentiert sich geradezu Wimbledon-reif, Obst und Gemüse sprießen kräftig – so wünscht es sich jeder Gärtner. Wenn da nur nicht immer diese Schädlinge wären! Viele Gartenfreunde führen einen nie endenden Kampf gegen die Plagegeister und greifen schließlich entnervt zur Chemiekeule. Aber Pflanzenschutzmittel sind letztlich Gifte, die in der Nahrung beziehungsweise im Grundwasser landen und der Umwelt schaden. Wie Sie den Einsatz von chemischen Präparaten vermeiden, verrät dieser mehrteilige Ratgeber. Im ersten Teil: alles über Schnecken.

schaedlingsbekaempfung2Schnecken schrecken – mit und ohne Alkohol

Zu den unangenehmsten Gästen im Garten zählen Nacktschnacken. Gerade, wenn der Sommer feucht ist, treiben die schleimigen und gefräßigen Biester den Gärtner zur Verzweiflung. Zur Bekämpfung greifen viele auf das Ungeziefermittel Schneckenkorn zurück – aber Obacht: Für Kleinkinder und Haustiere ist das Korn in großen Mengen ebenfalls giftig! Wenn Sie auf Schneckenkorn zurückgreifen, dann achten Sie auf den enthaltenen Wirkstoff: Eisen-III-Phosphat ist für die Umwelt am verträglichsten, Metaldyhyd und Methiocarb sind schon härtere Kaliber. Auf alle Fälle sollten Sie sich vor der Benutzung über die Risiken informieren.

Umweltverbände wie der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) raten zu sanfteren, aber ebenso effektiven Mitteln. Ein erster Schritt ist beispielsweise ein möglichst vielfältig angelegter Garten: In Blumen, Hecken und Laubhaufen können sich natürliche Schneckenfeinde wie Vögel, Igel oder Frösche niederlassen.

Ein Klassiker der Schneckenbekämpfung ist die Bierfalle. Sie bestehen aus mit Bier gefüllten Gefäßen, die im Garten eingegraben werden. Die Schnecken werden vom Biergeruch angelockt, fallen in das Gefäß und ertrinken – so die Theorie. In der Praxis allerdings hat die Bierfalle einen großen Nachteil: Der Biergeruch ist so verlockend, dass auch die Schnecken aus Nachbars Garten angezogen werden und man mit Bierfalle eventuell mehr Schnecken im Garten hat als vorher. Ebenfalls zu beachten: Damit keine anderen Tiere hineinfallen und ertrinken, darf die Bierfalle nicht zu tief eingegraben werden.

Manche Methoden sind für Abgebrühte

Regelmäßiges Absammeln ist bei starkem Befall sinnvoll – am besten abends oder frühmorgens, dann sind Nacktschnecken am aktivsten. Wer die Weichtiere nicht mit den Händen anfassen mag, kann sich eine spezielle Schneckenzange kaufen. So kommen Sie auch der lästigen Spanischen Wegschnecke bei: Die wird nämlich wegen ihrer starken Schleimabsonderung selbst von Igeln oder Kröten meist verschmäht, außerdem ist sie gegen Trockenheit weniger empfindlich als heimische Nacktschnecken. Zusätzlich können Sie den Schnecken mit nassen Säcken oder anderen künstlichen Unterschlüpfen (umgedrehte Blumentöpfe, Fliesen, Bretter) eine Falle stellen, um sie dann abzusammeln. Anschließend muss man die Schnecken noch beseitigen. Übergießen mit heißem Wasser beispielsweise bringt den Tieren einen schnellen Tod. Rabiate Zeitgenossen schneiden die Tiere mit einem Spaten durch – das erfordert aber einen einigermaßen starken Magen. Tote Schnecken unbedingt aufsammeln, weil sie ansonsten ihren kannibalistischen Artgenossen als Nahrung dienen!

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Weitere Methoden: Sägemehl und Kaffee

Weitere Arten der Schneckenbekämpfung: Halten Sie um gefährdete Pflanzen herum den Boden möglichst offen und mulchen entweder gar nicht oder nur sehr dünn, damit der Boden abtrocknen kann. Schließlich ist Trockenheit der größte Feind der Nacktschnecke! Ein probates Mittel ist es auch, rund um die Beete eine breite Schicht aus Sägemehl und Kalk zu streuen. Schnecken meiden raue Oberflächen, und der Kalk verätzt ihre Sohle. Bei Regen ist diese Methode aber nur bedingt wirksam oder muss häufig wiederholt werden. Giftig für Schnecken, aber nicht für die Umwelt, ist auch Kaffee und Kaffeesatz – das Koffein trocknet die Sohle aus. Im Fachhandel gibt es zudem sogenannte Schneckenzäune zu kaufen: Herkömmliche Schneckenzäune sind aus glattem Metall, ragen etwa zehn Zentimeter aus dem Boden und besitzen oben eine Kante oder Rundung, die von den Schnecken nicht überwunden werden kann.

Übrigens: Die meisten Gehäuseschnecken wie zum Beispiel die häufigen Bänderschnecken fallen als Schädlinge praktisch nicht ins Gewicht. Sie leben überwiegend von totem Pflanzenmaterial. Die unter Naturschutz stehende Weinbergschnecke hilft dem Gärtner sogar, denn sie frisst auch die Eigelege der Nacktschnecken auf.

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Im zweiten Teil dieses Ratgebers zeigt das Jawoll-Magazin Ihnen im nächsten Monat, wie Sie Plagegeister wie Läuse und Milben loswerden. Bei Jawoll finden Sie auch jede Menge Praktisches für Ihren Garten – sowohl online wie auch in den über 50 Filialen bundesweit.
 

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