Maschenware – Die neue Lust am Stricken

Maschenware – Die neue Lust am Stricken

Früher war es die Großmutter, die im stillen Kämmerlein die Maschen aneinanderreihte. Heute sitzen junge Frauen plaudernd im Café beim Latte Machiatto, während sie stricken. Aus einer muffigen Spießertätigkeit ist eine trendige Freizeitbeschäftigung geworden, bei der strickende Promis wie Julia Roberts und Ryan Gosling die Galionsfiguren darstellen. Ja richtig, Ryan Gosling! Auch Männer greifen immer häufiger zu Stricknadeln.

Schätzungen der Initiative Handarbeit zufolge können in Deutschland fast 60 Prozent der Frauen über 14 Jahren Stricken oder Häkeln. Pro Jahr werden in Deutschland werden etwa 400 bis 500 Millionen Euro für Strick- und Häkelgarne ausgegeben. Die Motivation zu stricken, ist heute eine ganz andere als zu Omas Zeiten: Häkeln soll nicht mehr ausschließlich Geld sparen. Wer häkelt, sucht Individualität und will sich von der Einförmigkeit der großen Modeketten absetzen.

stricken1Eine kleine Geschichte des Strickens

Das Stricken war schon im Altertum bekannt. Sowohl aus dem alten Griechenland als auch aus dem Römischen Reich sind verschiedene Strickarbeiten überliefert – so wurden in Gräbern römischer Legionäre Strümpfe aus einem Maschengewebe gefunden. Dann geriet diese Handarbeitstechnik für lange Zeit in Vergessenheit. Erst im 13. Jahrhundert wurde in Italien und Spanien wieder mit dem Stricken begonnen. Aus dieser Zeit stammen diverse Strickarbeiten, wie zum Beispiel die Handschuhe von Papst Clemens V., der zu Beginn des 14. Jahrhunderts der katholischen Kirche vorstand.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts erfand der Engländer William Lee einen Handkulierstuhl, mit dem sich sechsmal schneller als per Hand stricken ließ. In der Biedermeierzeit in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte das Stricken wieder eine Hochphase erreicht – jetzt wurden neben Bekleidungsstücken auch Wohnungsgegenstände wie Tischdecken selbst gestrickt. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen Frauen- und Modezeitschriften auch mit dem Abdruck von Strickanleitungen. Mit Aufkommen der industriell gefertigten Kleidung in den 1920ern geriet das Stricken wieder etwas in Vergessenheit – bis es als Hobby reüssierte.

Welche Stricknadeln gibt es?

Im Wesentlichen lassen sich Stricknadeln in drei Typen unterscheiden: Jackennadeln, Rundstricknadeln und Hilfsnadeln.

  • Jackenstricknadeln (mit gleich starkem Schaft) und die verwandten Schnellstricknadeln (mit verjüngtem Schaft) gibt es in den Stärken von 2 bis 20 und in 30 bis 40 cm Länge. Sie sind aus Aluminium, Kunststoff, Bambus oder Holz gefertigt.
  • Rundstricknadeln, vernickelt oder aus Aluminium, ist in den Längen von 40 bis 150 cm und in den Stärken von 2 bis 15 erhältlich. Aus Bambus sind sie auch mit 80 cm Länge in den Stärken 3 bis 6 erhältlich.
  • Hilfsnadeln oder Nadelspiele verwendet man vorwiegend zum Stricken von Socken oder Handschuhen. Sie bestehen aus 5 Nadeln und können sowohl gerade Nadeln oder leicht gebogene Zopfnadeln sein. Die Maschen werden gleichmäßig auf 4 Nadeln verteilt und mit der 5. Nadel wird gestrickt. Hilfsnadeln sind zwischen 15 und 20 cm lang und in Stärken von 1,25 bis 8 erhältlich.

Für alle Nadeltypen gilt: Die Stärke einer Stricknadel ist identisch mit deren Dicke. Stärke 3 zum Beispiel entspricht einer Dicke von 3 mm. Bei der Auswahl der richtigen Nadel helfen oft die Woll-Hersteller, indem sie auf der Banderole die richtige Stärke für die betreffende Wolle abdrucken. Als Faustregel gilt: Je dicker die Wolle, desto dicker die Nadel. Die richtige Länge der Stricknadel wird vor allem vom Projekt bestimmt: Wer Schals oder Pullover strickt, benötigt oft längere Nadeln als beim Stricken von Socken. Am Ende der Stricknadel kann außerdem ein Stopper aufgebracht werden, damit nicht aus Versehen die Maschen herunterrutschen.

Die richtige Wolle

Grundsätzlich wird unterschieden in lineare Basisgarne und Effektgarne: Lineare Basisgarne werden zur Herstellung eines Kleidungsstückes benötigt, wie Pullover oder Rock. Effektgarne spielen dagegen vor allem bei der Verzierung und kreativen Ausgestaltung des Stückes eine Rolle. Die wichtigsten und bekanntesten Wollarten:

  • Alphawolle mit ihrem glatten und weichen Faden ist ideal für Anfänger und eignet sich vor allem zum Stricken von Norwegermustern und plastischen Mustern.
  • Cable-Wolle ist ein gedrehter Faden aus Wolle oder Baumwolle. Sie eignet sich vor allem für plastische Muster oder Lochmuster bei Pullovern, Jacken oder Mützen.
  • Mohair-Wolle gehört zu den beliebtesten Strickmaterialien. Diese flauschige und leichte Wolle wärmt hervorragend.
  • Angora-Wolle ist ebenfalls flauschig und wärmt sehr intensiv. Geeignet ist sie deshalb vor allem für Mützen, Schals und andere Wintersachen.
  • Daneben kommen auch verschiedene andere Materialien zum Einsatz, etwa Synthetik- und Kunstfasern sowie Mischungen aus Wolle und Synthetikfasern. So gibt es unter anderem sehr viele Handstrickgarne aus Polyacryl.

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Fotos:
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