Porzellan – Das „weiße Gold“, das gleich zweimal erfunden wurde

porzellan1Wie Porzellan hergestellt wird – dieses Geheimnis hütete man in China jahrhundertelang. Die Europäer, die ganz vernarrt in das „weiße Gold“ waren, mussten das Herstellungsverfahren selbst herausbekommen und somit das Porzellan ein zweites Mal erfinden.




Woraus Porzellan besteht und wie es hergestellt wird

Porzellan gehört zu den feinkeramischen Erzeugnissen und besteht aus drei Grundstoffen:

  • Kaolin, einem auch Porzellanerde oder Porzellanton genannten, feinen weißen Gestein
  • Feldspat, dem auf der Erde am häufigsten vorkommenden Mineral, das vor allem in Tiefengestein und Vulkangestein zu finden ist
  • Quarz, dem zweithäufigsten Mineral, das besonders hart ist

Um Porzellan herzustellen, werden die drei Grundstoffe vermischt. Je nach Mengenverhältnis der Bestandteile erhält man die Masse für Hart- oder Weichporzellan. Die Porzellanmasse wird anschließend verflüssigt und in eine hohle Gipsform gegossen. Der Gips entzieht der Masse Wasser, sie setzt sich an den Innenwänden der Form ab. Ist die gewünschte Dicke erreicht, gießt man die restliche Porzellanmasse ab und entnimmt den Rohling zum Trocken und zur Feinbehandlung. Anschließend wird er zum ersten Mal gebrannt, danach geht‘s an die Glasur. Im Anschluss erfolgt der zweite Brennvorgang, zudem werden gegebenenfalls noch Verzierungen aufgetragen. Sie erfordern dann unter Umständen weitere Brennvorgänge.

porzellan3Made in China: Porzellan, das gehütete Geheimnis

Die Geschichte des Porzellans – sie führt zurück ins China des 7. Jahrhunderts. Es soll das Jahr 620 gewesen sein, als im Reich der Mitte erstmals die Herstellung von Porzellan gelang. Die daraus hergestellten Gegenstände waren so begehrt, dass die wenigen Produzenten Zusammensetzung und Produktionsweise des Porzellans wie ein Staatsgeheimnis hüteten. Nach Europa gelangte es erst rund 700 Jahre später. Der Entdecker und Abenteurer Marco Polo brachte um 1300 erste Gegenstände nach Europa – der Startschuss für eine regelrechte Porzellan-Euphorie, die die Reichen und Mächtigen aus dem Abendland ergriff.

Nachgemacht in Europa: Der Porzellan-Code wird geknackt

Ab dem 16. Jahrhundert gelangte Porzellan in größeren Mengen über Handelsstraßen und den Seeweg nach Europa. Seine Herstellung was aber noch immer ein Geheimnis. Das machte Porzellan zu einem sehr knappen und teuren Gut, es galt daher als „weißes Gold“. Ein besonders großer Fan war der sächsische König August der Starke. Den beiden von ihm beauftragten Naturforschern Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus gelangt es 1708 in Dresden erstmals, einen Gegenstand aus Porzellan zu fertigen. Rund ein Jahr später meldete Böttger – Tschirnhaus war inzwischen verstorben – Vollzug: die Erfindung des europäischen Porzellans.

porzellan2Der Siegeszug des Porzellans: Meißen macht den Anfang

Wiederum ein Jahr später, am 23. Januar 1710, wurde per königlichem Dekret im nahe Dresden gelegenen Meißen die erste europäische Porzellanmanufaktur gegründet. Die zweite europäische Fertigungsstätte entstand 1718 in Wien, noch im selben Jahr begannen in ganz Europa die Porzellanmanufakturen aus dem Boden zu schießen. Die zunehmende Industrialisierung der Herstellungsverfahren im 20. Jahrhundert machte das Porzellan endgültig zum Massenprodukt. Ende der siebziger Jahre geriet die deutsche Porzellanindustrie in eine massive Krise, hervorgerufen durch Billigimporte und sinkende Nachfrage. Das Meißner Porzellan, mit dem in Europa alles anfing, gilt aber heute noch als „weißes Gold“ und ist ein begehrtes Luxusgut.

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